Episoden

19 Zeit in Deutschland und Marokko – Magdalena Hermann vom Sundesk (Coworking und Coliving)

Magdalena Hermann führt im kleinen Surfer-Dorf Taghazout im Süden Marokkos einen Coworking und Coliving Place, den Sundesk. Dort können Freelancer und alle anderen, die an keinem festen Ort arbeiten müssen, gemeinsam mit Gleichgesinnten leben und arbeiten. Der perfekte Ort für digitale Nomaden.

Was genau ist ein Coworking und Coliving Place?

Das Prinzip des Coworking ist ja den meisten wahrscheinlich bekannt: Menschen treffen sich an einem Ort und arbeiten dort gemeinsam. Das hilft, motiviert zu bleiben. Im Gegensatz zur Arbeit von zu Hause aus, wo dann noch schnell die Wäsche gemacht werden muss, fällt es leichter, fokussiert zu bleiben. Nun kommt beim Sundesk noch das Coliving dazu: hier können die Coworker neben dem Arbeiten auch wohnen. Viele reisen ja nach Marokko und haben dort keine Unterkunft, und da bietet der Sundesk eine Lösung. Leben und arbeiten unter einem Dach, eine richtige Coworker-WG.

Wie funktioniert “Zeit” in Marokko?

Gar nicht 🙂 Zeit, oder Pünktlichkeit, hat in Marokko keine große Relevanz. Mit Marokkanern kann man keine festen Termine ausmachen, und es hält sich keiner an vereinbarte Zeiten. Auch nicht, wenn es ums Geschäftliche geht. Wenn man in Marokko lebt, muss man sich das klar machen und es akzeptieren, sonst wird man schnell unglaublich frustriert. Da Europäer aber eben nun mal an feste Zeiten und Vereinbarungen gewöhnt sind, tickt die Uhr im Sundesk natürlich nicht marokkanisch. Dort können sich die Coworker auf feste Zeiten verlassen. Außerhalb des Sundesk allerdings hat sich Magdalena an die marokkanische Zeit angepasst und weiß, dass sie am besten nichts erwartet.

Warum sich Magdalena ins marokkanische Chaos gestürzt hat

Magdalena war in Deutschland im Hotelgewerbe tätig aber mit den Arbeitsbedingungen an ihrer Arbeitsstelle unzufrieden. Sie entschied sich daher, ein Online Studium zu absolvieren. Da es online war, kam sie zum Studieren nach Marokko und hat nebenher in einem Restaurant gearbeitet, um sich ihren Unterhalt zu verdienen. In Deutschland war Magdalena immer die Chaotische; in Marokko war sie plötzlich top organisiert. Alles ist relativ! Da es für sie während des Studiums immer schwierig war, einen ruhigen Platz zu finden mit gutem Internet, kam sie auf die Idee, einen Coworking Place zu eröffnen. Da Magdalena aus dem Hotelgewerbe kommt, wollte sie das Arbeiten auch mit dem Leben verbinden, also auch einen Coliving Place daraus machen. So sollte für die Gäste ein Gesamtpaket entstehen, und das hat funktioniert.

Wie man innerhalb von zwei Monaten einen Coworking Space in Marokko eröffnet

Zeitdruck und Marokkaner sind eine lustige Symbiose. Magdalena musste letztendlich innerhalb von zwei Monaten das komplette Haus renovieren und zum Sundesk werden lassen. Wie funktioniert das, wenn niemand dann erscheint, wann er soll!? Erst einmal wie erwartet: es bleiben Unmengen an Arbeit liegen. Doch als es dann hart auf hart kam und alles fertig werden musste, waren plötzlich alle da. Und sie haben gearbeitet, was das Zeug hält. Jeder hat durchgeschuftet und sogar im Haus übernachtet, Wochenenden gab es nicht mehr. Dafür mussten dann natürlich wieder andere warten, bei denen es gerade nicht so dringend ist. Alles zu seiner Zeit 🙂

Wie leben die digitalen Nomaden in Marokko?

Magdalena hat die Erfahrung gemacht, dass ihre Gäste, die digitalen Nomaden, sich sehr gut organisieren können. Wahrscheinlich weil sie es auch müssen. Allerdings sind die meisten doch flexibler, als man es aus Deutschland gewöhnt ist: Wenn die Wellen gerade gut sind, dann geht man eben mal surfen zwischendurch. Die Arbeit bleibt aber nicht liegen, sondern man arbeitet dann eben bis spät in die Nacht. Auch bringen digitale Nomaden Zeit mit: Sie sind ja nicht dort, um Sightseeing zu betreiben, müssen also nicht hektisch von einem Ort zum nächsten. Viele bleiben einen Monat oder länger, was dazu beiträgt, dass es sehr entspannt zugeht.

Deutschland und Marokko – was ist anders?

Überland-Busse sind zwar sehr pünktlich in Marokko, aber alle regionalen Busse kommen wenn sie eben kommen. Es macht keinen Sinn, sich vorher Fahrzeiten anzuschauen. Im Krankenhaus kann es passieren, dass keine Ärzte da sind, vielleicht weil der Bus nicht gefahren ist. Flexibilität ist der Schlüssel, und jeder weiß das. In Deutschland hingegen ist das System anders: normalerweise hält sich jeder an Vereinbarungen und ist relativ pünktlich. Zeit hat einen hohen Stellenwert und ist rar, was dazu führt, dass wir uns in Deutschland oft Zeit kaufen. Denn Geld ist oft nicht so rar wie Zeit. Wir kaufen uns eine Pizza, denn dann sparen wir uns die Zeit fürs Kochen. Die zwei Euro tun uns nicht weh. In Marokko ist das umgekehrt: Fertigprodukte sind im Verhältnis so teuer, dass eigentlich alles selbst zubereitet wird. Zeit ist ja genügend da, Geld aber oft nicht.

Magdalenas Hebel-Tipp

Zeit zu Hebeln steht bei Magdalena nicht an erster Stelle. Es ist für sie auch mal okay, nicht das Maximum aus jeder Minute heraus zu holen, sondern sich auch mal einfach Zeit für etwas zu nehmen ohne sie zurück haben zu wollen. Allerdings hat sie einen anderen Tipp: Einen Monat im Sundesk könntet ihr euch locker damit finanzieren, eure Wohnung in Deutschland unter zu vermieten! Und dann müsst ihr euch nicht mal mehr selbst Frühstück machen 🙂

Webseiten:

http://sun-desk.com/

http://hebelzeit.de/master17

August 2016 – Erste Bilanz: was bringt ein Podcast & Gastauftritt bei Solopreneur’s Moshpit von Gordon Schönwälder

Bitte bewerte meinen Podcast bei iTunes, hier geht es lang: http://hebelzeit.de/itunes

Nachdem mich mein Gastauftritt bei Solopreneur’s Moshpit von Gordon Schönwälder meinen Sendeplan abgebracht hat, habe ich heute spontan diese Zwischenepisode eingeschoben.

Was habe ich in den ersten drei Wochen Podcasting gelernt?

Wenn man es auf Reichweite anlegt, dann schlagen Gäste (wie Christian Häfner) auf jeden Fall die Gastauftritte. Es ist sehr schwer, jemanden der grad eine Folge hört dazu zu bringen, dass er auf Stopp klickt. Dann seine Podcast App öffnet, dort einen Link anklickt und dann abonniert. Viel eher passiert das, wenn man die Leute über Social Media oder einen Blog erreicht.

Aber ich würde Gastauftritte trotzdem nicht unterschätzen. Wenn die Leute einen schon mal gehört haben, dann ist man für sie kein Unbekannter mehr und vielleicht erreicht man sie dann beim zweiten oder dritten Kontakt.

Dann habe ich auf Facebook noch super geniale Rückmeldungen bekommen, denn Jürgen Dannoritzer hat mich dort darauf hingewiesen, dass es neben den Hebeln: Medien, Menschen & Maschinen auch noch Methoden gibt. Die habe ich zwar schon mehrfach verarbeitet, aber nie so explizit benannt.

Wie oft soll ich meinen Podcast veröffentlichen?

Ich habe jetzt schon Folgen bis Mitte November produziert und nachdem ich gemerkt habe, was Gäste brigen juckt es mir in den Fingern mehr zu veröffentlichen als einmal im Monat. Auf der anderen Seite werde ich wahrscheinlich froh sein, wenn ich mehr Folgen in der Hinterhand habe und dadurch erst mal keinen Druck habe.

Denn es gibt ja auch noch mein wahres Projekt. Ich möchte aus meiner Solo Videoproduktion http://alexboerger.de ein echtes Unternehmen machen. Der Name steht und ich sollte jetzt endlich mal die Webseite für meinen Productized Service für Videos fertigstellen.
http://helloandlike.com

Also in diesem Sinne, ich drücke jetzt auf: Veröffentlichen und freue mich über euer Feedback.

Podcasten ist auch ein wenig Prokrastination, aber zumindest hat man langfristig ein wenig davon, jetzt gilt es für mich die Balance zu finden.