Episoden

20 Nein sagen – Die “Not do do”-Liste

Nein-Sagen kann ein toller Hebel für euch sein, nämlich indem ihr nur noch die Dinge tut, die euch weiter bringen. Zu anderen müsst ihr einfach mal “nein” sagen.

Warum kann ich so schlecht “nein” sagen?

Ein Grund dafür, dass ich so schlecht “nein” sagen kann ist wahrscheinlich, dass ich schon so viele gute Erfahrungen mit dem Ja-Sagen gemacht habe. Mir sind bisher viele gute Dinge passiert, weil ich “ja” und nicht “nein” gesagt habe: Es verstecken sich viele neue Chancen hinter dem Ja-Sagen und viele interessante Menschen. Leider kommt man irgendwann an seine Grenzen: Man hat ja nicht unendlich viel Zeit, um alles, was möglich ist, zu tun. Man hat sozusagen nur eine bestimmte Zahl an “Jas” zur Verfügung (siehe dazu auch die Hebelzeit-Folgen zu Opportunitätskosten und zur Ökonomie der Aufmerksamkeit, Links sind unten). Außerdem will ich niemanden enttäuschen, indem ich nein sage. Ich möchte nicht durch Absagen arrogant wirken, aber es geht manchmal nicht anders.

Nein zu meinen eigenen Ideen

Das Nein-Sagen beschränkt sich übrigens nicht nur auf andere Menschen: Ich musste im vergangenen Jahr auch verdammt oft zu mir selbst “nein” sagen. Ich habe jeden Tag so viele Ideen, die ich gerne angehen würde. Doch ich musste lernen, mich zu fokussieren und mich auf eine Sache zu konzentrieren. Ich wäre heute nicht da wo ich bin, wenn ich nicht 1000 Mal “nein” gesagt hätte zu anderen Ideen.

Das eigene Leben optimieren

Nein-Sagen zu Dingen, die man nicht will, ist wichtig. Aber um das zu können, muss man natürlich wissen, was genau man will. Anders formuliert: Auf was will ich mein Leben optimieren? Auf Ruhm? Oder auf Geld? Zu diesem Thema gibt es einen tollen Vortrag von Derek Sivers auf der DNX, den ich euch unten in die Links gepackt habe. Ich persönlich bin mir noch nicht zu 100% sicher, was ich am Ende will. Freiheit spielt aber eine große Rolle, insofern dass ich Zugriff auf die Ressourcen habe, die ich brauche. Ich weiß also schonmal grob, zu was ich daher “nein” sagen muss und was mich diesem Ziel auf jeden Fall nicht näher bringt. Ich möchte die größtmögliche Freiheit für mich, meine Kunden und mein Team, und ich versuche zu allem “nein” zu sagen, was dem im Weg steht.

Keine Projekte mehr, die nicht zu mir passen

Ich habe in meiner Firma feste Prozesse etabliert, nach denen gearbeitet wird. Diese Struktur erleichtert die Planung und die Kalkulation enorm. Das bedeutet aber auch, dass ich meinen Kunden ein festes Paket anbiete und wer das nicht will, zu dem muss ich leider “nein” sagen. Da sind mir meine Prozesse tatsächlich wichtiger, als dieser neue Kunde, der da nicht rein passt. Das ist doch super spannend: Ich gebe mir selbst feste Strukturen vor, minimiere also meine Freiheit erst einmal. Das wiederum gibt mir aber am Ende des Tages erst meine Freiheit, da ich die Kontrolle habe und nicht überrascht werde von jedem neuen Auftrag. Ich habe Freiheit durch Struktur.

Test: “nein” zu persönlicher Beratung

In der kommenden Zeit möchte ich etwas, zugegebenermaßen, Gewagtes ausprobieren. Ich möchte persönliche Beratung abschaffen um mir mehr Freiheit zu verschaffen. Wenn meine Kunden nicht aus Frankfurt kommen, dann berate ich sie meist über Skype oder Telefon, und das klappt gut und ist zeiteffizient. Wenn die Kunden aus der Umgebung sind, finden oft persönliche Treffen statt, die gut und gerne mit An- und Abreise mal 4 Stunden dauern können. Am Telefon wäre das vielleicht in einer Stunde besprochen gewesen. Deswegen möchte ich in Zukunft mal ausprobieren, ob es ohne persönliche Beratung funktioniert, also ob die Qualität leidet oder nicht. Mal sehen, ob ich bei diesem “Nein” bleibe oder nicht.

“Nein” zu Freunden

Hört sich fies an, aber ich sage auch “nein” zu Freunden, die sich im Kreis drehen. Ich spreche wirklich gerne mit Freunden über deren Probleme oder Ideen, aber nur, wenn sich dann auch was bewegt, wenn meine Ratschläge was bewirken. Wenn es immer wieder die selbe Leier ist, dann muss ich leider “nein” sagen. Ich habe mir vorgenommen, über ein Thema nicht zweimal zu sprechen. Wie es Tobias Beck so schön sagt: “Für dieses Gespräch stehe ich nicht zur Verfügung.” Ich habe euch unten auch den Link zu tollen Podcast Folgen von Tobias Beck hin gepackt, es lohnt sich, mal rein zu schauen.

Und noch mehr “Neins”

“Nein” sage ich nun auch schon seit zwei oder drei Jahren zu Nachrichten. Ich schaue und lese keine Nachrichten mehr, weswegen mich viele für verrückt halten. Die Sache ist, Nachrichten stürzen mich in Depressionen: Ich kann ja nichts ändern an all dem, was mir da so erzählt wird. Und wenn ich machtlos bin, dann macht mich das depressiv. Außerdem brauche ich es mir dann auch gar nicht erst antun. Bisher war meine Nachrichten-Abstinenz übrigens noch nie von Nachteil. Das Wichtigste kriege ich schon im Postillon mit 😉 Nein sage ich außerdem zu Snapchat,Instagram und auch oft zu Facebook. Ich habe für die Hebelzeit noch nicht mal eine Facebook Seite, denn ich sehe den Mehrwert nicht. Es ist mir viel zu anstrengend, mich ständig um Posts zu kümmern.

“Nein” sagen und “Nein” akzeptieren

Ihr dürft “nein” sagen, und die meisten Menschen werden euch nicht böse sein. Wenn sie euch böse sind, dann sind es meistens egoistische Menschen mit denen ihr sowieso nichts zu tun haben wollt. Genauso müsst ihr aber auch ein “nein” akzeptieren. Wenn euch gegenüber jemand “nein” sagt, dann nehmt das nicht persönlich. In meinem Fall zum Beispiel heißt ein “nein” nicht, dass ihr nie wieder bei mir anfragen dürft. Es heißt nur, dass es im Moment oder für diesen speziellen Fall ein “nein” ist. Geht positiv mit “Neins” um. Am Ende eures Lebens solltet ihr euch nicht darüber ärgern müssen, zu wenig Zeit mit den Dingen verbracht zu haben, die ihr Wirkich wolltet. Deswegen müsst ihr jetzt anfangen, zu den falschen Dingen “nein” zu sagen.

Hebel-Tipp: E-Mail Adresse für Ideen

Ich habe mir eine E-Mail-Adresse eingerichtet, an die ich meine Ideen schicke. Das hat mir geholfen, nicht jeder Idee hinterher zu laufen. Warum mir das so sehr hilft: Ich muss nicht mehr “nein” zu der Idee sagen. Ich sage zur Idee: “Du bist super, aber zu einem späteren Zeitpunkt.” Dann schicke ich sie an die E-Mail Adresse und dort wartet sie auf mich. Ich erleichtere mich so zu sagen, aber ohne die Ideen weg zu werfen. das spart mir natürlich auch unglaublich viel Zeit, die ich dann nicht mehr über diese Ideen nachdenke. Das hilft übrigens auch mit Menschen: Wenn ihr erst einmal “nein” sagen müsst, dann sagt doch “nein” für den Moment, aber zu einem späteren Zeitpunkt gerne. Manche werden sich dann nicht mehr melden, andere aber schon.
Und noch eine Kleinigkeit: Ich habe für euch ein Video gemacht, indem ich erkläre, wie ich meine ganzen To-Dos unter einen Hut kriege. Wie organisiere ich meinen Tag um meine mittel- und langfristigen Ziele zu erreichen? Wenn euch das interessiert, dann klickt doch unten bei den Links mal drauf. Dort könnt ihr euch auch in meinen Newsletter eintragen, sodass ihr meine neuen Folgen immer mit bekommt.

Webseiten:

Hebelzeit: Opportunitätskosten
http://hebelzeit.de/podcast/14-opportunitaetskosten/

Hebelzeit: Ökonomie der Aufmerksamkeit
http://hebelzeit.de/podcast/09-die-oekonomie-der-aufmerksamkeit-werde-mentaler-kapitalist/

Derek Sivers @DNX – How to optimize your Life:
https://www.youtube.com/watch?v=WxbEa37krLE

Tobias Beck: Bewohner
https://www.youtube.com/watch?v=aAY4rF6x0CQ

Hebelzeit: To-Dos
http://www.hebelzeit.de/todo

14 Opportunitätskosten – Die Qual der Wahl

Transscript:

Das Thema heute sind die Opportunitätskosten.

Opportunitätskosten setzt sich aus zwei Begriffen zusammen. Der eine ist Opportunität, also Opportunity, die Möglichkeit, die Chance, die Gelegenheit und die Kosten. Das kennt ja jeder – alles hat seinen Preis – sagt man ja so schön. Und bei den Opportunitätskosten geht es nicht darum, die Kosten einer Gelegenheit zu beschreiben, das man sich zum Beispiel die Eintrittskarte für ein Rockkonzert kauft, also die Chance dabei zu sein oder das man sich das Finalticket für die EM kauft oder was auch immer gerade in eurem Kopf vorgeht, sondern genau das Gegenteil.

Opportunitätskosten beschreiben nämlich die Kosten für alle Dinge die ihr nicht tut. Das klingt erst mal abstrakt – ich erklär es euch an einem Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung.

Beispiel: Doppelbuchung

In der Anfangszeit als Unternehmer habe ich mich noch gefreut wenn ich irgendwie mal 2 Stunden bezahlt bekommen habe und habe auch solche Jobs angenommen und sagen wir einmal für die 2 Stunden bekomme ich einfach 2 Taler. Und da hatte ich einen Termin gebucht, da musste ich hin, da musste ich etwas schaffen und dann kam plötzlich der Anruf:

„Hast du nicht Zeit um zwei Tage zu filmen und das dann auch noch alles zuschneiden“. Am Ende wären es wahrscheinlich vier Tage geworden und dann hatte ich zwei Taler irgendwo verdient, aber ich musste darauf verzichten, dass ich irgendwo vier Tage hätte arbeiten können.

Ok ich habe es dann noch hingekriegt, ich habe mir jemand gesucht, der für mich diesen einen Tag gefilmt hat und habe so die anderen drei Tage abrechnen können. Das war mein Glück, aber es hätte auch komplett schief gehen können, dass ich für die 2 Stunden, die ich angenommen habe stattdessen auf 4 Tage verzichten muss. Sagen wir mal einen Taler pro Stunde. Mich haben die 2 Taler die ich bekommen hätte, fast 32 Taler gekostet.

Das sind die Opportunitätskosten, wenn man das eine tut kann man das andere nicht tun, so einfach ist es.

Wenn ihr die eine Freundin habt, könnte ihr die andere nicht haben. Also, Leute sind zum Teil Schlitzohren oder haben sehr tolerante Freundinnen, aber das Prinzip ist einfach. Ihr macht das eine und müsst auf anderes verzichten. Ich nehme jetzt diese Folge zum zweiten Mal auf, weil es total kompliziert war wie ich das erklärt habe und ich verzichte in dem Fall darauf rauszugehen, in die Sonne und mit dem Fahrrad rum zu fahren. Das sind meine Opportunitätskosten in dem Fall. Aber ich habe auch ganz andere Opportunitätskosten. Ich könnte dann auch ein Eis essen, ich könnte mit Freunden telefonieren, ich könnte für einen Kunden auf einem Projekt arbeiten, auch das liegt bei mir noch auf dem Schreibtisch. Also da könnte ich sogar richtig Geld verdienen, also mich kostet es richtig, richtig viel, dass ich hier euren Podcast aufnehme. Aber das ist es mir wert, natürlich nur für euch.

Es ist halt so, das ist eine totale BWL’er Sichtweise mit den Opportunitätskosten. Aber es schadet nicht, wenn man sich mal ein bisschen damit beschäftigt.

Beispiel: Beim Einkaufen sparen für Fortgeschrittene

Stellt euch vor ihr habt zwei Supermärkte bei euch in der Umgebung, nehmen wir den einen mal REWE und den anderen nennen wir Netto. Der REWE ist direkt bei euch unten drunter im Haus. ihr geht aus dem Haus und seid sofort dort.

Der Netto ist ein bisschen weiter entfernt – ihr müsst da vielleicht 15 Minuten laufen. Und noch so ein Phänomen, also zumindest bei dem Netto bei uns in der Umgebung – da steht man ewig an der Kasse. Also ich weiß nicht wie die das hinkriegen und ob sie das mit Absicht machen – aber mindestens so 10-15 Minuten hat man da einfach verloren, nur um an der Kasse zu stehen.

Sprich auf der einen Seite habt ihr den REWE – schnell da, schnell drin, schnell raus. Und auf der anderen Seite habt ihr den Netto, der ist günstiger aber ihr müsst länger hin laufen, ihr müsst länger an der Kasse stehen, es dauert länger bis er wieder zu Hause seid.

Und sagen wir einmal bei einem normalen Einkauf spart ihr um die fünf Euro, wenn ihr in den Netto geht, habt aber dafür eine halbe Stunde länger gebraucht. Jetzt rechnen wir das hoch

5€ = 30min

10€ = 1h

Ihr spart, dadurch das ihr in den Netto geht, pro Stunde die ihr an Arbeit investiert, 10 Euro. Dass sind die Opportunitätskosten, die dann damit verbunden sind. Wenn ihr in den Rewe geht bekommt ihr bei zwei Einkäufen 1 Stunde heraus, zahlt aber zehn Euro mehr. Das ist sozusagen der hin und her Wechselwert.

Und jetzt ist die Frage, was habt ihr sonst noch an Möglichkeiten, was könnt ihr mit eurer Zeit machen. Wenn ihr gar keinen Job hat, dann lohnt es sich auf jeden Fall in den Netto zu gehen, weil auf der einen Seite stehen null Euro, die ihr bekommt, wenn ihr nichts tut und auf der anderen Seite habt ihr zehn Euro gespart, die ihr bei zwei Einkäufen da herausholt.

Das ist die einfache Rechnung. Wenn ihr aber ein Banker seid und irgendwie 500 € pro Stunde abrechnen könnt oder so ein total geiler Managementberater, dann würdet ihr niemals in den Netto gehen, also abgesehen davon, dass ihr wahrscheinlich super High-End Produkte haben wollt. Aber sagen Sie einmal ihr seid mit beiden Produkten gleich zufrieden, ihr würdet aber für die zehn Euro die ihr spart, durch den günstigeren Supermarkt, auf 490 € verzichten, die ihr an Gehalt in der selben Stunde verdienen könntet.

Also da macht es dann gar keinen Sinn mehr in den günstigeren Supermarkt zu gehen.

Beispiel: Warum billige Schuhe teuer sind

Ich habe mir einmal günstige Schuhe gekauft – die waren aber dann nach drei Monaten kaputt.

Und d.h. ich musste mir dann wieder Schuhe kaufen und ich hasse Schuhe kaufen. Und d.h. dann für mich, ich muss dann 1 Stunde in die Stadt, ich muss dort dann irgendwie Schuhe suchen – das nervt mich auch, vielleicht sogar auch in mehreren Ländern, muss wieder zurück. Und genau, da kann man sich ausrechnen es lohnt sich einfach nicht, Schuhe zu kaufen die zerfallen. Also Adidas Neo Schuhe kauf ich niemals wieder, die sind richtig, richtig Scheiße.

Also nur um mal so ein paar Beispiele zu nennen. Adidas Neo Schuhe sind mir sofort zu zerflattert, ich war mega enttäuscht und werde sie nie wieder kaufen, weil sie einfach viel zu teuer sind, wenn ich so meine Zeit dagegen rechne, was es mich kostet diese Schuhe immer wieder neu zu kaufen.

Beispiel: Wie Sponsoren Geld kosten können?

Und noch ein Beispiel, wo ich mit Opportunitätskosten gerechnet habe. Es gibt so ein Event und das heißt Gründer Grillen. Dort pitschen Gründer ihre Ideen und da verplempern Leute total oft total viel Zeit irgendwelche Sponsoren zu suchen und dabei geht es nur darum einen Grill voll mit Bratwurst zu packen und ein paar Getränke an den Start zu bringen. Sprich um 100 Leute zu besaßen braucht man fünf Kisten Bier eine Packung Würste – vielleicht nicht ganz eine Packung – aber nichts desto trotz des ganze Event kostet 150 – 250 € und da denk ich mir das zahle ich doch lieber aus der eigenen Tasche, als dass ich jetzt irgendwie zwei Tage darein stecke, Sponsoren zu finden und mit den irgendetwas auszumachen. Sprich, da sind die Opportunitätskosten jetzt los zu rennen und sich irgendwelche Sachen als Sponsor zu suchen einfach extrem hoch – trotzdem machen das Leute. Also klar am Anfang hätte ich das auch gemacht, wenn ich das Geld nicht gehabt hätte, aber jetzt – wie gesagt, da ist ja auch noch dieser Faktor:

a.) das Geld habe ich leichter verdient in dem ich mir Aufträge suche

b.) ich lerne was daraus wenn ich mir Aufträge suche, es ist besser für mich, wenn ich herausfinde wie ich Aufträge finden und abwickeln kann, als wenn ich herausfinde, wie ich Sponsoren finden kann, da habe ich nicht viel von.

Das sind so Kleinigkeiten, da geht es um ein paar Stunden, es gibt aber zum Teil auch manchmal richtig große Entscheidungen an Opportunitätskosten.

Opportunitätskosten Extrem: Das (Master-)Studium

Die größte, die ich hatte. Nachdem ich mein Mediendesign Diplom gemacht habe und davor und davor habe ich mir noch nie Gedanken gemacht über Opportunitätskosten. Ich habe dann auch noch Bafög bekommen und es hat mich auch niemand genervt, während ich studiere, also das war ein Studium mit Freischein.

Dann habe ich einen Master angefangen. Master of Media & Designmanagement. Und dort, habe ich dann kein Bafög mehr bekommen, ich musste von meinem Ersparten den Anfang des Studiums bestreiten und dann stand ich vor einer Entscheidung nach dem ersten Semester, ich habe gemerkt ich kann dort nicht neben dem Studium arbeiten, weil es so viel Zeit kostet, da diesen Master zu machen. Ich stand vor der Entscheidung: zieh ich das jetzt durch oder breche ich es ab? Wenn ich es durchgezogen hätte, hätte ich mir irgendwie eine Bank suchen müssen, die mir einen Studienkredit gibt und auf der anderen Seite hätte ich ja Geld verdienen können. Das waren die beiden Optionen die gegeneinander liefen.

Ich musste also mir überlegen: „Lohnt sich diese Zeit, die ich da investiere“. Und ich habe mich dagegen entschieden, also ich habe das Studium dort abgebrochen, weil ich fand das Studium nicht so toll. Das war auch noch ein wichtiger Faktor. Mir war sozusagen das Studiums nicht wert, dass weiter durchzuziehen, denn ich wollte Unternehmer werden, im Studium hätte ich aber gelernt, wie ich ein Topangestellter werde. Ich hätte wahrscheinlich, wenn ich als Ziel gehabt hätte: „Ich möchte als Angestellter irgendwann einmal, 80.000€, 90.000€, 100.000 € verdienen“, wäre ich da wahrscheinlich richtig gewesen, dann hätte sich das gelohnt. Unter der Bedingung, ich möchte Unternehmer werden, war es komplette Zeitverschwendung, war ein negativer Return und das Studium ist einfach ein riesengroße Entscheidung, was Opportunitätskosten angeht, denn ihr verzichtet auf zwei Jahre. Und wenn man überlegt, selbst wenn ihr nur als Handlanger arbeitet und zehn Euro die Stunde macht und das irgendwie im Vierzigstundenjob.

10€/h, ich mache jetzt mal wieder Mathe auf:

10€ × 160h × 12Monate

ja sind auch 20.000 € im Jahr.

Also ein Studium kostet euch nicht nur das Geld was ihr sozusagen darein stecken müsst, nicht nur die Studiengebühren, sondern es kostet euch auch 20.000 € im Jahr, die ihr als Handlanger nicht verdient.

Genau dafür habt ihr aber vielleicht langfristig mehr davon. Das sind die Berechnungen, die man treiben muss.

Und bei mir war es so, durch mein erstes Studium, das ich ein Diplom hatte, bin ich schon lange weg von den 10€ gewesen, sprich ich hatte nicht mehr diese Steigerung und hätte vielleicht von 30 auf 40 € kommen können und d.h. der zusätzliche Nutzen war kleiner.

Am Ende kann ich auch als Unternehmer in derselben Zeit genauso viel lernen, das war auch meine Überlegung und deshalb habe ich’s nicht gemacht.

Noch ein Beispiel für meine Opportunitätskostenrechnung

Als ich angefangen hatte Videos zu machen, hatte ich relativ wenig Kunden, ich hatte aber dafür extrem viel Zeit und dann habe ich angefangen für Freunde einfach etwas zu produzieren.

Freunde die ein Unternehmen hatten, denen hatte ich geholfen mit Videos, denn

a.) ich hatte nichts zu tun, sprich meine Opportunitätskosten waren null Euro

b.) ich konnte einem Freund helfen, das war sozusagen der erste Gewinn, der zweite Gewinn war,

c.) ich hab Referenzen kommen. Ich konnte am Ende zeigen: „so kann ein Video aussehen, so funktioniert es“.

Hat sich für mich also in jeder Beziehung gelohnt und

d.) mein Handwerk habe ich auch noch deutlich verbessert.

Irgendwann habe ich aber so viele Videos gemacht, bezahlt, immer mehr Leute wollten das was ich mache bekommen, dass ich halt gar keine Zeit mehr hatte. Und dann war das Video, was ich für Freunde gemacht hätte, nicht mehr umsonst, sondern es hat mich richtig Geld gekostet, weil ich konnte ja dieselbe Zeit auch verkaufen.

Wenn man mehr Geld als Zeit hat

Das ist so der eine Aspekt. Und dann habe ich einmal Urlaub gemacht und dann war es plötzlich total die Kacke am Dampfen.

Also d.h., ich habe plötzlich zwei komplette Monate nur durchgearbeitet um alle Projekte, die sich da angestaut hatten, zu erledigen. Mein Kontostand hat sich auf jeden Fall gefreut, aber plötzlich habe ich gemerkt, das ist mir gar nicht mehr so viel wert. So sprich: sobald einfach genug Geld hat, macht zusätzliches Geld einen nicht glücklicher.

Das war auch was, was ich da festgestellt habe, sprich: die Kosten auf Reisen zu verzichten, also auch am Wochenende zu arbeiten und gar keine Zeit mehr zu haben und aufstehen-arbeiten, aufstehen-arbeiten, aufstehen-arbeiten, die wurden einfach immer höher. Und dann fängt man an seine eigenen Freizeit mal mehr zu wertzuschätzen und das hat mich dazu gebracht, dass ich mich jetzt mit Freelancern beschäftige. Ich fang gerade an meine Firma zu erweitern und einfach mal zu gucken wie funktioniert es denn für mich, Arbeit abzugeben, also bestimmte Aufgaben die relativ klar definiert sind, weiterzugeben.

Und das ist die erste Erfahrung: ich verdiene weniger, also ich verdiene deutlich weniger und ich verdiene auch weniger pro Stunde. Es ist noch nicht so, dass ich das von vornherein super hebelt, sondern

A.) die arbeiten am Anfang halt nicht so schnell wie ich, weil ich ihnen – ja weil natürlich bei mir jahrelange Erfahrung ist, es wäre auch krass, wenn die das von Anfang an könnten.

B.) ich muss denen immer noch erklären, was sie tun sollen. Also sprich: da ist auch noch eine Menge Kommunikationsaufwand drin.

Und ich sehe es im Moment sozusagen zum einen als Investment und das andere ist: warum die Opportunitätskosten für mich jetzt dann doch nicht so hoch sind, sind die Steuern.

Am Anfang, wenn man die ersten zehntausend Euro im Jahr verdient, da zahlt man fast nichts an Steuern, das wird aber immer ganz schnell ganz, ganz viel mehr. D.h., dadurch, dass ich noch keinen extrem teuren Lebensstandard hab, denk ich mir, wenn ich jetzt meine Zeit rein investiere – ein Chef zu werden und zu lernen wie das funktioniert, habe ich einen besseren Return, weil auf mein Wissen, darauf muss ich keine Steuern zahlen, ganz einfach.

Wissen ist Steuerfrei, Geld nicht

Wenn ich mehr Wissen hab, kann ich langfristig mehr davon profitieren, aber ich muss keine Steuern dafür bezahlen. Wenn ich Geld hab muss ich Steuern dafür bezahlen, das ist die Überlegung, die ich hab und weshalb ich trotzdem sage, ich hole mir jetzt Leute und versuch das mal mit den Freelancern und vielleicht kriege ich das irgendwann ordentlich hin, dass ich nämlich dann so viele Freelancer hab, dass sich es wieder lohnt, dass sich die Freelancer selber beibringen können, wie das funktioniert. Das sind alles meine Pläne, also auf lange Sicht habe ich hoffentlich mehr davon aber im Moment ist es erst mal Opportunitätskosten, ich verzichte darauf, dass das Geld bei mir in der Tasche landet, ich verzichte auf eine gewisse Menge an Freizeit, aber ich gewinne auch eine gewisse Menge an Freizeit, sprich für acht Stunden auslagern, muss man schon eine Stunde arbeiten, das ist dann schon o. k. Aber die eine Stunde kriege ich dann immer noch nicht bezahlt, das ist dann der Preis.

Opportunitätskosten bei diesem Podcast

Und auch dieser Podcast hat etwas damit zu tun, denn auch da überlege ich, schneide ich ihn jetzt selber oder such ich mir jemanden, der mir diesen Podcast schneidet. D.h. Opportunitätskosten, ich kann mit dem Podcast noch kein Geld verdienen, aber ich kann mit anderen Dingen Geld verdienen und mein Plan ist es, dass ich irgendwann über den Podcast auch – irgendwie interessante Kontakte habe oder sogar Aufträge kriege, dass ich jetzt etwas an den Start bringe, was mir langfristig einen Return bringt. Wo sozusagen, die Zeit oder das Geld, das ich auch da rein stecke, um das produzieren zu lassen, dass sich das lohnt.

Ich stecke hier in die Folge – also mal ganz ehrlich – ich habe es zum zweiten Mal aufgezeichnet, mir Notizen gemacht, ich stecke in die Folge eine Stunde und dann wird das nochmals geschnitten und hochgeladen und alles was so damit zusammenhängt – also da gehen schon einige Stunden rein.

Und da ist die Frage: „Lohnt sich das?“ Das ist natürlich wieder etwas, da muss ich wieder messe.

Also LeanStartup Folge, wie man sowas misst. Das kann man dann natürlich sehen, ich habe mir jetzt erstmal vorgenommen – ich knall mal 15 Folgen durch und finde dann raus ob sich das gelohnt hat ob sich meine Beziehung zu den Menschen die sich dieses anhören, also meine Beziehung zu dir, ob die sich eher positiv verbessert, ob da mehr Vertrauen ist und überhaupt was an Rückmeldung kommt.

Deshalb, ich würde mich wirklich megafreuen, wenn sich die Leute mal bei mir melden und mir dann sagen ob ihnen der Podcast was gebracht hat, ob ich das weitermachen soll, ob sich das lohnt.

Ich bin gespannt ob sich dieser Podcast für mich lohnt, aber natürlich habe ich auf jeden Fall auch ein Learning, wenn ich mit Kunden rede, kann ich darüber reden was so ein Podcast bringt. Ich hab noch keine Erfahrung, wie so ein Podcast sich auswirkt. Ich habe Erfahrung mit Videos. Es ist total krass, was ich für Menschen ich über meine Videos kennen gelernt habe und meine Erwartung ist das ich im Podcast ähnlich nette Menschen und ähnliche kompetente Menschen finde.

Meine weitere These ist: „Leute die ihre Zeit effizient nutzen wollen, die hören eher Podcast und haben eher gar keine Zeit mehr sich meine Videos anzugucken, aber die haben vielleicht Interesse daran, Videos von mir produziert zu bekommen, weil sie nämlich dann ihre Zeit hebeln können.“

Ich kann den Leuten dann irgendwann auch mal berichten was so ein Podcast bringt, also sprich vielleicht merke ich: „Ah Podcast war einmal eine interessante Erweiterung“. Vielleicht nehme ich das in mein Programm auf, vielleicht finde ich Freelancer, die das vielleicht machen, all solche Fragen, die gehen mir gerade durch den Kopf, weshalb sich das wahrscheinlich doch lohnt.

Und mein Tipp ist:

Überlege dir mal bei allem was du tust, könntest du nicht etwas anderes tun und rechne das einfach mal durch. Vielleicht macht es Sinn eine Putzfrau einzustellen, also da überlege ich gerade auch. Eine Putzfrau einzustellen ist wahrscheinlich besser.

Da freue ich mich auf eure Diskussionsbeiträge.